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Energiewende in Deutschland: Kurzschluss im Projektmanagement



  • Energiehändler Präg begrüßt Ziele der Energiewende, bemängelt aber fehlendes Gesamtkonzept

  • Politik muss Fokus stärker auf Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit legen


Kempten, 18. Februar 2013. Trotz vieler Beschlüsse fehlt der Energiewende bisher ein genauer Fahr- und Kostenplan. Nachdem sich Umweltminister Peter Altmaier und Wirtschaftsminister Philipp Rösler in der vergangenen Woche auf ein gemeinsames Vorgehen zur Begrenzung der Strompreise verständigt haben, versucht die Bundesregierung nun einen Konsens mit den Ländern zu finden. "Die Ziele der Energiewende sind grundsätzlich richtig und werden von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützt. Allerdings fehlt dem Projekt auch fast zwei Jahre nach Beschluss ein klares, realistisches Gesamtkonzept. Zudem ist das Fördersystem der Erneuerbaren Energien nicht effizient genug. Insgesamt drohen die Kosten aus dem Ruder zu laufen - was vor allem die Verbraucher zu spüren bekommen", bemängelt Marc Deisenhofer, Geschäftsführer des Energiehändlers Präg. Kosten und Versorgungssicherheit müssen dem Energieexperten zufolge stärker berücksichtigt werden.

Die EEG-Umlage ist bereits heute teurer als von der Regierung ursprünglich geplant. Die im Strompreis enthaltenen Umlagen sind zum Jahresbeginn insgesamt deutlich gestiegen. Zudem wurden die Netzdurchleitungsgebühren nahezu flächendeckend erhöht. Durchschnittlich rund 13 Prozent mehr pro Jahr zahlen allein die privaten Haushalte seit Jahresbeginn für ihre Stromversorgung. Damit müssen sie nach Angaben der Beratungsgesellschaft McKinsey im laufenden Jahr bereits 45 Prozent mehr für Elektrizität bezahlen als im EU-Durchschnitt. Steuern, Abgaben und Umlagen machen in Deutschland inzwischen fast die Hälfte des Haushalts-Strompreises aus.

Laut McKinsey wird auch die hiesige Industrie deutlich stärker zur Kasse gebeten: Rund 20 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt  müssen deutsche Unternehmen für Strom bezahlen. Bei einem Verbrauch von 50 Gigawattstunden trage ein deutsches Unternehmen somit Zusatzkosten von rund einer Million Euro pro Jahr gegenüber dem EU-Wettbewerb. Im Vergleich zu US-Konkurrenten sind es mehr als drei Millionen Euro. 

"Energiepolitische Maßnahmen dürfen nicht nur ressourcenschonende Ziele verfolgen. Sie müssen in jedem Fall auch wirtschaftlich sein und eine ständige Versorgungssicherheit gewährleisten. Private Haushalte dürfen nicht überbelastet werden. Zudem ist die deutsche Wirtschaft auf Stromverfügbarkeit zu international wettbewerbsfähigen Preisen angewiesen. Bei ständig steigenden Abgaben ist das nicht sichergestellt", sagt Marc Deisenhofer. 


Mehr Effizienz durch mehr 
Markt- und Technologieoffenheit


Für Deisenhofer sind zwei Faktoren besonders entscheidend: Erstens, inwiefern die Politik erneuerbare Energien fördert.  Zweitens, in welchem Tempo ihr Ausbau erfolgt. Das derzeitige Fördersystem im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gehört für Deisenhofer dringend auf den Prüfstand. "Damit die Energiewende gelingt, brauchen wir intelligente, technologieoffene und marktbasierte Steuerungsmechanismen. Nur so lässt sich stets die effizienteste, kostengünstigste und marktfähigste Form zur Erzeugung erneuerbarer Energien erreichen. Dagegen sind die Mechanismen des EEG - staatliche Subventionierungen einzelner Technologien durch garantierte Festvergütungen und Abnahmegarantien - ineffizient und zu teuer", erklärt Deisenhofer. Der Energieexperte kann sich beispielsweise ein Quotenmodell vorstellen, wonach ein bestimmter, langsam steigender Anteil des vermarkteten Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen muss. "Über die Erzeugungsart sollte stärker als bisher der Markt entscheiden. Der Staat bliebe dennoch stark gefordert, insbesondere beim Setzen der notwendigen Rahmenbedingungen."

Marc Deisenhofer: "Permanente Anpassungen der Planung und mangelnde Kommunikation seitens der Verantwortlichen gefährden die bisher breite Akzeptanz in der Bevölkerung für die Energiewende. Nur wenn gewerbliche und private Verbraucher nicht über Gebühr belastet werden, die Versorgung sichergestellt ist und ein realistisches Gesamtkonzept mit einem vernünftigen Zeitplan vorliegt, kann das Mammutprojekt Energiewende gelingen."