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Martin Dettinger – ein Meister klarer Formen und Gedanken



ritterwerk-Designer seit 2010 / „Gut, besser, einfach“ – seine Formel für gelungene Produkte

München/Gröbenzell, 21. August 2014. Der Hausgeräteproduzent ritterwerk ist mit den Begriffen funktionales Design und Bauhaus seit Jahrzehnten verbunden wie kaum ein anderer Hersteller. Das zeitlose Erscheinungsbild macht seine Produkte über Trends hinweg zu nachhaltigen Klassikern, die immer modern sind. Dieses Erbe führt der Designer Martin Dettinger bei dem Traditionsunternehmen nicht nur seit 2010 fort; vielmehr entwickelt er die Formensprache bei der Einführung neuer Produkte behutsam weiter. So trägt der im Jahr 2012 auf den Markt gekommene und mit Designpreisen bedachte Wasserkocher fontana5 ebenso seine Handschrift wie der klappbare Allesschneider icaro7, der seit 2013 produziert wird. Im Interview erklärt der 54-jährige Industriedesigner, was ihn inspiriert.

Gut, besser, einfach und das Prinzip der Langlebigkeit

Die von Martin Dettinger gestalteten Produkte können mit der ihm eigenen Steigerung von „gut“ zusammengefasst werden: gut, besser, einfach. Das Einfache zu erreichen, ist jedoch alles andere als einfach. „Das Einfache ist oft das Schwierigere“, erklärt Dettinger seinen Designansatz. „Am Ende ist es das Beste, wenn ein Produkt als Teil seines Umfelds einfach bleibt.“ Eine Philosophie, die sich in seinen Produktdesigns widerspiegelt, die alle in ihrer Form schlicht ihrer bezweckten Funktion folgen.

Neben seinem eigenen Superlativ von „gut“ hat sich Dettinger auch dem Prinzip der Langlebigkeit verschrieben. Langlebigkeit setzt der Designer nicht nur mit der Haltbarkeit von Produkten gleich, sondern ebenso mit deren optischer Gestaltung. „Langlebigkeit in diesem Sinne bedeutet, eben nicht kurzfristigen Trends hinterherzulaufen“, argumentiert Dettinger. Langlebig wünscht er sich auch die Beziehung zwischen Auftraggeber und Designer - in einem kontinuierlichen Prozess und auf der Grundlage von Vertrauen. 

Bauhaus und Produktdesign
Mit dem Bauhaus in Kontakt kam Martin Dettinger erstmalig über seine Großmutter. „Meine Großmutter selbst studierte an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar Ornamentales Pinselzeichnen. Ich bekam dann als kleiner Junge die Gelegenheit, mit ihr zeichnen zu dürfen“, erinnert sich der Industriedesigner. Die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule unter der Leitung von Henry van der Velde war der Vorläufer des Bauhaus. Im Verlauf der Entwicklung des Bauhaus wich das Ornamentale zunehmend dem Funktionellen. In der Kunst bedeutete Bauhaus einen Wandel vom Gegenständlichen zum Abstrakten. „Beim Objekt brachte Bauhaus gleichzeitig eine Abkehr vom dekorativen Ornament als Gestaltungsmittel hin zur reinen Farbe und Form. Jedoch erst später erfolgte die explizite Ausrichtung des modernen Produktdesigns auf Ergonomie und Funktion“, erklärt Dettinger.

Konstruktiv im doppelten Sinne
Seine heutigen Designs im Bauhaus-Stil überschreibt Dettinger mit „konstruktiv im doppelten Sinne“. Ordnend und zielführend sind hierbei die beiden Definitionen, mit denen der Industriedesigner diesen Begriff auflädt. Je konstruktiver die Zusammenarbeit zwischen Designer und Auftraggeber bei der Produktentwicklung ist, desto besser wird das Produkt. Dieses steht immer in einem Kontext aus Produktion, Handel und Benutzer, auch diese Beziehungen sollten konstruktiv gestaltet und gelebt werden. Der ordnende Aspekt von konstruktiv hingegen bedeutet, bei der Entstehung eines Produktes seine Funktionsbereiche systematisch aufzuschlüsseln und in einer geordneten Abfolge zu betrachten.

Martin Dettinger – die Designer hinter dem Designer
Der Mann, der heute hinter den zeitlos erfolgreichen ritter-Produkten im Bauhaus-Stil steht, wollte ursprünglich Ingenieur werden und plante, Maschinenbau zu studieren. „Dann merkte ich, dass mich das greifbare Ergebnis mehr interessierte und ich etwas (An-)Fassbares herstellen wollte. Design ist ein Zwischenraum zwischen künstlerischer Arbeit und technischen Notwendigkeiten. Es war die damit verbundene Vielseitigkeit, die mich von Anfang an reizte“, beschreibt er seinen Werdegang.

Vorbilder – Richard Sapper sowie die Vertreter der Hochschule für Gestaltung Ulm – prägen die Arbeit des ritterwerk-Chefdesigners auch über seine Ausbildungszeit hinaus bis in die Gegenwart. Richard Sapper, 1932 in München geboren, lebt und arbeitet seit 1958 in Mailand. „Sappers Arbeit ist technisch orientiert und er versteht es dabei doch, immer einen Schuss Ironie in seine Produkte zu bringen, zum Beispiel die roten Druckknöpfe an seiner weltbekannten „Tizio“ Leuchte, welche die Funktion des Gelenks übernehmen“, begründet Martin Dettinger seine Begeisterung.

Die Hochschule für Gestaltung Ulm, die die Arbeit Dettingers ebenso geprägt hat, wurde 1953 unter anderem von Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher, Max Bill gegründet und brach mit damals traditionellen Ausbildungswegen. „Es wurden Elemente des Bauhauses aufgegriffen und fortgeführt und - das war der große Unterschied - ein entscheidender Schritt in Richtung der Industrie gemacht“, erläutert Dettinger und fährt fort: „Die Dozenten der Ulmer Schule entwickelten bahnbrechende industrielle Konzepte. Hans Gugelot, der Direktor, leitete den Studiengang Industriedesign und arbeitete direkt mit der Firma Braun Elektrogeräte zusammen.“ Für Martin Dettinger prägte Gugelot wie kein anderer den Begriff Systemdesign.

In diese Fußstapfen tritt auch ritterwerk und geht den weiteren Weg gemeinsam mit Martin Dettinger - traditionsverbunden und zeitgemäß.