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110 Jahre Präg: Von einer Warenagentur über Selbstbedienungstankstellen zum modernen Energiehändler



Präg blickt auf eine traditionsreiche Firmengeschichte zurück

Kempten, 15. Oktober 2014. 110 Jahre wird der Energiehändler Präg in diesem Jahr. Alt ist er über die Jahre allerdings nicht geworden. Neue Produkte, neue Ausrichtungen, immer am Zahn der Zeit: Gerade als regionales Familienunternehmen musste sich Präg stets weiterentwickeln, um sich neben Großkonzernen behaupten zu können.

Präg-Geschäftsführer Marc Deisenhofer: „Adolf und Anna Präg haben Anfang des 20. Jahrhunderts sehr viel Mut bewiesen und waren zur rechten Zeit am rechten Platz. Nach seiner Ausbildung zum Großhandelskaufmann eröffnete Adolf Präg in Augsburg eine Warenagentur. Das war zehn Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Mit meinem Großvater wagte Präg dann 1958 seine ersten Schritte in Richtung Heizölhandel. Bis dahin wurde hauptsächlich mit Kohle geheizt. Heizöl aber war der Brennstoff der Zukunft. Er war wesentlich komfortabler und zudem sehr günstig. Fast 60 Jahre später ist Heizöl heute noch immer fester Bestandteil in unserem Sortiment." Dieses Sortiment hat sich gerade in den vergangenen zehn Jahren stetig erweitert. Umweltschutz und verbraucherfreundliche Kosten sind die Themen der Gegenwart, mit denen auch ein Traditionsunternehmen mitgehen muss. Das Angebot neuer Energieprodukte ist deshalb ebenso wichtig, wie ein zeitgemäßer Internetauftritt oder moderne Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

Vom Händler für Leuchtpetroleum und Schmierstoffe zum Mineralölhändler

Alles begann mit einer Warenagentur für Leuchtpetroleum und Schmierstoffe. 1904 gründete Adolf Präg das nach ihm benannte Unternehmen in Augsburg. Die Maschinenbauindustrie war ein idealer Abnehmer für die von Präg vermarkteten Spezialschmierstoffe wie Zylinderöle, Maschinenöle und Vaselineöle. Das Geschäft lief gut. So gut, dass 1916 in Kempten die erste Niederlassung eröffnet wurde, die Prägs spätere Ehefrau Anna als Leiterin übernahm. Nach dem Tod von Adolf Präg im Jahr 1946 leitete Anna das gesamte Unternehmen. „Anna Präg war 60 Jahre lang im Unternehmen aktiv und bis zu ihrem 85. Lebensjahr täglich im Büro. Ihr Enthusiasmus hatte Vorbildcharakter für alle Mitarbeiter – und hat ihn bis heute", erzählt Marc Deisenhofer.

Die Nachkriegszeit

Nach dem Tod des Firmengründers trat Josef Deisenhofer 1948 auf Wunsch von Anna Präg als Gesellschafter in das Unternehmen ein. Zuvor war Deisenhofer der schwäbische Bevollmächtigte des so genannten „Zentralbüros für Mineralöl GmbH" gewesen und hatte in den 1930er-Jahren das ARAL-Tankstellennetz in Bayerisch-Schwaben aufgebaut. Unter Josef Deisenhofer wuchs das DEA-Tankstellennetzwerk von Präg auf 120 Anlagen Ende der 1950er-Jahre. Zudem führte er 1958 auch den Handel mit Heizöl ein. Die Lager wurden vergrößert, eine Tanklastwagenflotte für Heizöl wurde aufgebaut – und so die Versorgung der Kunden sichergestellt. Marc Deisenhofer: „1982 wagte das Unternehmen dann einen weiteren großen Schritt in die Zukunft: Computer für die Datenverarbeitung wurden eingeführt. Heute kann man sich überhaupt nicht mehr vorstellen, ohne Rechner Verwaltungsarbeiten, Organisation und Disposition zu betreiben. Damals war die Umstellung ein Novum."

Die zweite Generation

1960 trat Gerd Deisenhofer, der Sohn von Josef Deisenhofer, in das Unternehmen ein und übernahm die Verantwortung der Niederlassung in Krumbach. Mitte der 60er-Jahre wurde der Firmensitz des Energiehändlers dann von Augsburg nach Kempten verlegt. 1968 entstand hier eines der ersten Hochtanklager Bayerisch-Schwabens. 1972 eröffnete Präg die erste europäische Texaco-Selbstbedienungstankstelle in Lagerlechfeld bei Augsburg. „Niemand hat damals an das neue Konzept geglaubt. Nicht unser damaliger Vertragslieferant Texaco. Nicht einmal mein Geschäftspartner und Vertriebschef der Texaco, Horst Knoblauch. Und auch nicht der Tankstelleneigentümer, der in Lagerlechfeld den ersten Testlauf wagen sollte. Dennoch habe ich alle überredet. Zum Glück. Heute ist die SB-Tankstelle weltweit nicht mehr wegzudenken", sagt Gerd Deisenhofer.

Er war es auch, der die Expansion des Unternehmens in den Osten Deutschlands nach der Wiedervereinigung vorantrieb. Gerd Deisenhofer: „Die Neugier auf den Osten, den für uns unbekannten Teil Deutschlands, war groß. Es herrschte Aufbruchsstimmung. Hier wollte Präg dabei sein. Und wir sind es bis heute in den Großräumen Dresden, Leipzig und Weimar."

Die dritte Generation

2005 zog sich Gerd Deisenhofer aus dem operativen Präg-Geschäft zurück. Sohn Marc Deisenhofer übernahm die Leitung der Geschäftsführung. Gemeinsam mit Klaus-Rüdiger Bischoff, der 2001 in die Geschäftsführung berufen worden war, führte Deisenhofer die Präg-Gruppe ins neue Jahrtausend. Das Tankstellengeschäft wurde neu ausgerichtet und mit der ARAL-Aktiengesellschaft eine Markenpartnerschaft vereinbart. Zudem wurde das Tankstellenshopgeschäft zum Minisupermarkt mit kleinen Bistrobereichen sowie das Waschgeschäft weiter ausgebaut. Der Mineralölvertrieb wurde deutlich erweitert. Und vor dem Hintergrund der sich wandelnden Energiemärkte wurde die konsequente Neuausrichtung des Unternehmens vom Mineralöl- zum Energiehandelsunternehmen vorangetrieben.

Mit dem Slogan „Präg – Wir verstehen Energie" wird diese Neuausrichtung seit 2010 auch nach außen kommuniziert. Heute bietet Präg neben Heiz- und Mineralöl auch Strom, Erdgas und Pellets an. Demnächst eröffnet Präg in Augsburg sogar eines der größten Pelletlager in Bayerisch-Schwaben. Darüber hinaus hat das Unternehmen jüngst den Vertrieb von Mini Photovoltaik-Anlagen gestartet.

Allerdings: Nicht nur in Sachen Portfolio setzt Präg auf eine stetige Weiterentwicklung. So arbeiten die Mitarbeiter am Hauptstandort in Kempten seit Herbst 2013 in einem modernen Bürogebäude. Hier hat Präg auf den Fortschritt von Architektur, Baumaterialien und Mobiliar gesetzt, um bestmögliche Voraussetzungen für die Gesundheit der Mitarbeiter und den Umweltschutz zu schaffen. Und ob eine smarte Marketing-Kampagne oder der jüngst gestartete neue Online-Auftritt: Auch für seine Kunden will Präg ein stets familiäres und zugleich zukunftsorientiertes Unternehmen sein. Marc Deisenhofer: „Vom Leuchtpetroleum und Schmierstoff bis zur Mini Photovoltaik-Anlage war es ein langer Weg. Dass wir in diesem Jahr unser 110-jähriges Firmenjubiläum feiern können, ist zum einen einigen Visionären zu verdanken. Zum anderen aber auch unseren mittlerweile 196 Mitarbeitern, von denen viele seit Jahrzehnten im Unternehmen arbeiten und allen Neuausrichtungen gegenüber immer aufgeschlossen waren. Auf dieses Miteinander kann man als Geschäftsführer stolz sein und optimistisch in die Zukunft blicken."