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Experten: Eröffnung der ICE-Strecke birgt zusätzliche Chancen für Erfurter Immobilienmarkt



  • Pro Tag halten ab 10. Dezember 80 Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn in der thüringischen Landeshauptstadt
  • Erfurt rückt zeitlich deutlich näher an Leipzig, Berlin, Coburg, Nürnberg und auch München
  • Niedrige Kaufpreisfaktoren versprechen Mietrenditen von vier bis fünf Prozent

 

Erfurt (6. Dezember 2017). Die Erfurter Projektentwicklerin Carola Busse rechnet durch die Eröffnung der ICE-Neubaustrecke Berlin – München mit weiteren Impulsen für den ohnehin gefragten Erfurter Immobilienmarkt. „Mit der Inbetriebnahme der Strecke gewinnt Erfurt nicht nur als Drehkreuz in Sachen Verkehr an Bedeutung, sondern als Standort generell. Sowohl im Bereich des Wohnungs- als auch des Hotelbaus erkundigen sich vermehrt institutionelle Investoren, Pensionskassen und Anleger aus anderen Großstädten nach innerstädtischen Flächen, Projekten und Einheiten“, erklärt Carola Busse, Geschäftsführerin der Wachsenburg Baugruppe, die bis 2022 das Hochhausprojekt „Wir Quartier“ mit zwei Wohntürmen und rund 180 Wohneinheiten umsetzt. Insgesamt hat die Baugruppe in Erfurt in den vergangenen fünf Jahren gut 15.000 Quadratmeter Nutzfläche realisiert.

„Dass der Erfurter Wohnimmobilienmarkt besonders für Kapitalanleger mit Mietrenditen von bis zu sechs Prozent und mehr im Vergleich zu Metropolen wie München oder Frankfurt noch Potenzial verspricht, hat sich schon seit längerem herumgesprochen. Die Kaufpreisfaktoren liegen bei Neubauprojekten beim 15- bis 20-fachen der Jahresnettomiete und damit deutlich unter dem Niveau vieler anderer Landeshauptstädte, wo sie teilweise über 50 geklettert sind“, erklärt Busse.

Durch die Neubaustrecke wird Erfurt als Wohn- und Investitionsort für viele Pendler und Anleger zusätzlich lukrativ. Einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB, 2016) zufolge nimmt besonders die Zahl der Fernpendler zu, die mehr als 150 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt arbeiten. Etwa die Hälfte aller sozialversichert Beschäftigten arbeitet nicht an ihrem Wohnort und gut ein Zehntel pendelt täglich oder am Wochenende zwischen zwei Bundesländern. Mit der Bahnstrecke ist es möglich, in Erfurt zu leben und in Leipzig, Coburg oder Nürnberg zu arbeiten. Selbst München rückt in greifbare Nähe. „Eigennutzer, denen andere Städte zu teuer geworden sind, können in Erfurt im wahrsten Sinn des Wortes noch zum Zuge kommen“, erklärt Busse. Selbst im „Wir Quartier“, ein architektonisch und deutschlandweit beachtetes Bauvorhaben in der Handschrift des renommierten Büros worschech architetcs wird der Erwerb einer 100-Quadratmeterwohnung bei Quadratmeterpreisen von rund 4.000 Euro mit einem Gesamtbudget von rund 400.000 Euro möglich sein. Größenordnungen, von denen Familien in München oder Nürnberg nur träumen können.

„Der Standortfaktor Verkehrsanbindung erfährt mit dem ICE-Knoten einen deutlichen und dauerhaften Impuls“, sagt Busse. Ohnehin profitiert der Immobilienmarkt der Landeshauptstadt neben einer wachsenden Wirtschaft rund um das Gewerbegebiet Erfurter Kreuz mit rund 100 Unternehmen und über 11.000 Mitarbeitern vom erfolgreichen Wandel zum Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum. Schon jetzt zählt die Stadt zu den führenden ostdeutschen Standorten im Bereich Handel. Neben dem konjunkturellen Aufschwung erweisen sich die Ausstrahlung und Lebensqualität der Stadt als verlässlicher, weicher Standortfaktor, wie nicht nur zur Weihnachtszeit in helle Verzückung verfallende Touristen beweisen. Der Tourismus boomt. Die Übernachtungszahlen in Erfurt haben in den vergangenen zehn Jahren laut Erfurt Tourismus um gut 40 Prozent auf 874.000 in 2016 zugelegt. Pro Jahr halten sich insgesamt mittlerweile 12 Millionen Gäste in Erfurt auf.

Die Beliebtheit und die konjunkturelle Entwicklung zeichnen sich längst auf dem Mietmarkt ab. Im Mietsegment liegen Preise für Neubauten in guten Lagen in 2017 bereits bei 11 Euro pro Quadratmeter. Seit 2005 haben die Wohnungsmieten im Bestand um 38 Prozent angezogen. Anleger profitieren von der geringen Neubautätigkeit von durchschnittlich nur 300 Einheiten pro Jahr in den vergangenen Jahren, die zu einer Angebotsverknappung geführt hat. Die Preise für Neubauwohnungen haben zuletzt um rund zehn Prozent jährlich zugelegt.

Da auch der aktuelle Wohnungsneubau der Einwohnerentwicklung hinterher hinkt, wird der Preisanstieg der vergangenen Jahre nach unten abgesichert. Zusätzlich ergibt sich durch die zunehmende Nachfrage weiteres Aufwärtspotenzial auf dem Immobilienmarkt der Landeshauptstadt. „Da im Ergebnis der Sanierungswelle der letzten Jahre inzwischen auch die Gründerzeitviertel fast komplett saniert und bewohnt sind, muss der zusätzliche Wohnungsbedarf weitgehend durch Neubau gedeckt werden“, erklärt Paul Börsch, Amtsleiter der Erfurter Stadtplanung und Vizepräsident der Deutschen Akademie für Stadt- und Landesplanung. Denn: Erfurt rechnet mit einem Anstieg der Bevölkerung von derzeit 211 000 auf 227 000 Einwohner im Jahr 2030.