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Verdichteter, kooperativer, sozialer: So will die Stadt den Wohnungsneubau in München bis 2021 prägen



Stadtrat beschließt Wohnungspolitisches Handlungsprogramm „Wohnen in München VI 2017-2021"

Schon aktuell finden Mieter und Wohnungskäufer in München nicht ausreichend Angebote. Bis 2030 wächst die Stadt nochmals um rund 200.000 Einwohner – von derzeit 1,5 auf rund 1,7 Millionen. Um der angespannten Situation auf dem Münchner Wohnungsmarkt zu begegnen, hat der Stadtrat am 15. November das fortgeschriebene wohnungspolitische Handlungsprogramm „Wohnen in München VI 2017-2021" beschlossen. Insgesamt macht die bayerische Landeshauptstadt damit städtische Fördermittel in Höhe von 870 Millionen Euro frei, von denen 70 Prozent in Form von Darlehen bereitgestellt werden sollen. Die Agentur scrivo PublicRelations, die in München seit Jahren Immobilienunternehmen und Immobilienfinanzierer bei der Medienarbeit begleitet, fasst nachfolgend wichtige Punkte aus der Stadtratssitzung zusammen.

Wichtigstes Ziel des aktualisierten Programms ist laut SPD-Stadtrat Christian Amlong, die Schlagzahl beim Wohnungsneubau auf 8.500 Wohnungen pro Jahr zu erhöhen. Dafür hebt die Stadt die Ziele für die Baurechtschaffung deutlich an. Wie bei der Kommentierung des Programms deutlich wurde, will sich die Stadt für das Thema Nachverdichtung öffnen. „Die Stadt muss nachverdichtet werden in Gebieten und Bezirken, die bisher verschont waren“, erklärte Amlong. Eine Aussage, die besonders bei Bauträgern interessiert aufgenommen wird.

Stadt will Grundstücksverkauf genauer prüfen

Darüber hinaus machte Walter Zöller von der CSU-Fraktion klar, dass die Stadt eng mit dem privaten Wohnungsbau kooperieren muss, wenn die Zielvorgaben erreicht werden wollen. „Es wird davon abhängen, was die private Bauwirtschaft zu leisten vermag“, sagte Zöller. Gleichzeitig geht aus dem Papier ebenso hervor, dass die Stadt beim Verkauf städtischer Grundstücke für den Wohnungsbau künftig selektiver vorgehen will. Tenor des Programms: Die Stadt München will eigene Grundstücke, wenn sie diese selbst gestalten kann, nur noch in Ausnahmefällen zur Bebauung durch private Unternehmen zur Verfügung stellen. Stattdessen sollen Baugemeinschaften künftig mehr unterstützt werden, weil sich die Stadt davon mehr Vielfalt verspricht.

Das Thema Vielfalt war in der Diskussion überhaupt bestimmend. Unisono verlautete es durch alle Fraktionen hinweg: Es ist wichtig, über diverse Förderprogramme Wohnen für alle Einkommensschichten zu ermöglichen. Nur so könne die Münchner Mischung in sämtlichen Bezirken und Neubaugebieten gewahrt werden, für die die Stadt deutschlandweit bekannt sei. Um das zu gewähren, solle künftig jede sechste Wohnung von einer der städtischen Wohnungsbaugesellschaften wie Gewofag oder GWG realisiert werden – bisher komme nur jede elfte Wohnung aus städtischer Hand. Damit durch diesen kommunalen Wohnungsneubau dauerhaft Mietwohnungen geschaffen würden, wolle man vermehrt auf das Erbbaurecht setzen. Kritiker werfen der Stadt vor, mit dem Programm den Mittelstand zu vernachlässigen. „Es kann nicht sein, dass es in der Innenstadt künftig nur noch Wohnungen für bedürftige Hartz-4-Empfänger und Millionäre gibt“; sagte Michael Mattar von der Fraktion Freiheitsrechte, Transparenz und Bürgerbeteiligung.